„Nur keine Panikmache“, so wird St.Andrä-Wörderns Bürgermeister in Zusammenhang mit den Ergebnissen der Hochwasseruntersuchungen zum Hagenbach in der neuen Ausgabe des Bezirksblattes zitiert.
Ein kühler Kopf ist allemal gefragt, wenn es nun um die rasche Erarbeitung von Lösungen geht, für welche die gewählte Gemeindevertretung unverzüglichst dieWeichen zu stellen hat.
Unverzüglich, wohl deshalb, da ein Untersuchungsergebnis, wonach große Teile von Wördern von einem ausuferndem Hagenbach, betroffen sind, nicht mehr statistisch weggewischt werden kann. Unverzüglich auch deshalb, da die gesetzliche Pflicht Siedlungsräume vor einen 100 jährigen Hochwasser zu schützen zwingend zu beachten ist. Wer dies nicht ernst nimmt, muß im Schadensfall auch die Haftung übernehmen. Das Risiko bei einem größeren als 100-jährigen Ereignis von Hochwasser betroffen zu sein, tragen sowieso die Anlieger. Aber wenn es der Gemeinde erst nun klar gemacht worden ist, dass selbst im Bandbereich eines 30 bis 100 jährigen Hochwassers es große Siedlungsräume im Ort gibt, die durch den bestehenden unzureichenden Schutz betroffen sind, so ist Beschwichtigung und Kompetenzgerangel fehl am Platz.
Hierzu auch ein Absatz zur Vorgeschichte:
Vor mehr als 5 Jahren haben BürgerInnen darauf hingewiesen, dass es deutlich unterschiedliche Berechnungen für ein 100jähriges Hochwasserereignis für den Hagenbach gibt. Es hat nun die mehr als 5 Jahre gebraucht, bis bereits im heurigen Frühjahr erste Ergebnisse der Untersuchungen vorgelegt worden sind. In den letzten 5 Jahren sind kaum, wenn überhaupt, Initiativen der Gemeindevertretung bekannt geworden, die auf eine raschere Klärung des Sachverhaltes gedrängt hätten. Mehr als ein halbes Jahr nachdem erste Ergebnisse der Gemeindevertretung bekannt gemacht worden sind, gedeckt die Gemeindevertretung demnächst zu einer öffentlichen Besprechung einzuladen. Erwähnenswert ist wohl auch, dass die Ergebnisse der Bohrungen am Hagenbachabschnitt zwischen Straßen- und Eisenbahnbrücke zu Tage gebracht haben, dass der Aufbau der Dämme nicht dem Stand der Technik entsprechen. Raschest wurde heuer eine Abspundung durchgeführt, jedoch die Frage inwieweit die Dämme zwischen Lehergasse und Straßenbrücke bzw. ab der Eisenbahnbrücke bis Einmündung in die Au ebenso nicht dem Stand der Technik entsprechen würden, keiner Untersuchung zugeführt. Dies ist durchaus als sträflich zu bezeichnen.
Was es nun zu tun gilt:
a) Wie kann wo eine Retentions – ein Auffangbecken – errichtet werden, welches im Falle eines Hochwasserereignisses die Wassermassen aufnehmen kann, sodass über die kritischen Engstellen – dies sind die bestehenden Straßen-, Eisenbahn und Fußgängerbrücken zwischen Lehnergasse und Einmündung in die Au die Wassermassen sicher in die Au abgeführt werden können.
b) Volumen von Retention und die Querschnitte des Bachlaufs in den einzelnen Abschnitten sind aber nur ein Teil der Fragestellung. Die Integrität der verbleibenden Dämme ist eine weitere Frage, die sich mit einem sicheren Hochwasserschutz verbindet. Was hilft eine ausreichende Retention, wenn die nach Schaffung einer Retention verbleibenen Dämme als unsicher anzusehen sind?
Wenn nun am 23.11.2010 die BürgerInnen von der Gefährdungslage erstmalig informiert werden, so ist für selbige auch von Relevanz, dass bereits am 26.11.2010 das Budget für 2011, wie auch ein mittelfristiger Finanzplan für die Jahre 2012-2014, beschlossen werden soll.
Will die Gemeindevertretung sich nicht den Unmut aller Betroffenen zuziehen, so ist sie wohl gut beraten plausible Zahlen in das Budget für 2011 und den mittefristigen Finanzplan aufzunehmen. Dementsprechend ist zu hoffen, dass die Kosten für die notwendigen Vorplanungsarbeiten bereits im Voranschlag 2011 in ausreichender Höhe budgetiert sein werden. Auch wenn zum heutigen Zeitpunkt keine exakten Kosten für ein realisierbares Projekt abzuschätzen sind, so wären Beträge um die €50.000.- im mittelfristigen Finanzplan alles andere als glaubwürdige Summen, die für notwendige Bauten anzusetzen sind. (Übrigens: Ende dieser Woche muss der Entwurf zum Budget 2011 und der mittelfristige Finanzplan zur öffentlichen Einsichtnahme aufgelegt werden - wahrscheinlich wieder mal nur im Gemeindeamt und nicht online - damit nur ja nicht allzuviele MitbürgerInnen Einsicht nehmen und "Erinnerungen" abgeben können.)
Zu guter Letzt, sei noch auf den Umstand hingewiesen, dass der Hagenbach im Laufe der Ortsgeschichte schon einmal verlegt worden ist. Im 19. Jahrhundert wurde der Bachlauf aus der Mitte von Wördern an seinen aktuellen Platz verlegt. Aus heutiger Sicht – nicht nur wegen des nun ausgewiesenen unzureichenden Hochwasserschutzes - entstand so ein Bachlauf, der eher einem Industriekanal ähnelt. Da die bestehenden Brücken für Straße, Eisenbahn und Fußgänger jene Stellen sind, die den Durchfluss beengen und daher maßgeblich zur Hochwassergefahr im Ort beitragen, darf kreativ nachgedacht auch eine weitere Verlegung des Bachlaufs angedacht werden. Überlegenswert wäre eine Verlegung des Bachlaufes in westlicher Richtung – die Eisenbahn im östlichen Bereich des bestehenden Gewerbegebietes unterführend und direkt in die nahe zum alten Donaudamm fließende Bie mündend. Eine solche Variante setzt aber voraus, dass der beabsichtigte Verkauf von Gewerbegründen im Bereich des potentiellen neuen Bachverlaufs solange hintangestellt wird, bis Kosten und Machbarkeit von seriösen Variantenuntersuchungen auf dem Tisch liegen.
So der Gemeinderat am 26.11.2010 zügig handelt, könnten erste Variantenuntersuchungen wohl bis Sommer bzw. Frühherbst 2011 vorliegen. Alles andere erhöht die Vermutung dass sich hinter dem Aufruf zur Hintanhaltung von Panikmache reine Beschwichtigungspolitik verbirgt, die statt Sicherheiten zu schaffen die Unsicherheit verlängert.
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